Der Reifenwechsel ist die einfachste und günstigste Wartungsmaßnahme am Auto – und trotzdem entscheidend für Sicherheit und Fahrverhalten. Wer rechtzeitig wechselt, fährt sicherer und spart Geld.
Dieser Ratgeber zeigt, wann Sie wechseln sollten, was es kostet und worauf Sie beim Wechsel achten müssen.
Die O-bis-O-Regel
Die gängige Faustregel für den Reifenwechsel lautet 'von O bis O' – von Oktober bis Ostern Winterreifen. Der genaue Zeitpunkt hängt aber vom Wetter ab.
- Winterreifen montieren: ab Temperaturen unter 7 Grad Celsius.
- Sommerreifen montieren: ab dauerhaft über 7 Grad Celsius.
- Richtwert: Oktober bis Ostern für Winterreifen.
- Bei frühem Wintereinbruch: eher wechseln.
- Bei mildem Winter: späte Umstellung möglich, aber nicht empfehlenswert.
Reifenarten im Überblick
Sommerreifen
- Optimiert für Temperaturen über 7 Grad.
- Beste Haftung bei trockener und nasser Fahrbahn.
- Geringerer Rollwiderstand – geringerer Verbrauch.
- Längere Lebensdauer als Winterreifen.
Winterreifen
- Gummimischung bleibt bei Kälte elastisch.
- Mehr Lamellen für bessere Haftung auf Schnee und Eis.
- Kürzere Bremswege bei niedrigen Temperaturen.
- Höherer Rollwiderstand – minimal mehr Verbrauch.
Ganzjahresreifen
- Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen.
- M+S-Kennzeichnung, zunehmend auch Alpine-Symbol.
- Praktisch für Wenigfahrer und milde Regionen.
- Schlechtere Leistung bei extremen Temperaturen.
Reifenkennzeichnung: Was bedeutet was?
- M+S: Matsch und Schnee – ältere Kennzeichnung, seit 2018 nicht mehr ausreichend.
- Alpine-Symbol (Bergpiktogramm): neue Pflichtkennzeichnung für Winterreifen.
- DOT-Nummer: Produktionsdatum (Woche/Jahr).
- EU-Label: Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung, Rollgeräusch.
- Reifengröße: z. B. 205/55 R16 91V.
- Load Index (91): Tragfähigkeit.
- Speed Index (V): Höchstgeschwindigkeit.
Was der Reifenwechsel kostet
- Reifenwechsel pro Rad: 20 bis 60 Euro.
- Kompletter Wechsel (4 Räder): 40 bis 100 Euro.
- Mit Einlagerung: 80 bis 150 Euro pro Saison.
- Einlagerung einzeln: 30 bis 80 Euro pro Saison.
- Auswuchten zusätzlich: 10 bis 20 Euro pro Rad.
- Reifendrucksensoren (TPMS): teils Zusatzkosten.
Beim Reifenwechsel lohnt sich ein Vergleich. Freie Werkstätten, Reifendienste und Vertragswerkstätten unterscheiden sich preislich oft deutlich.
Reifen selbst wechseln
- Fahrzeug auf ebener Fläche abstellen und sichern.
- Radschrauben leicht lösen (vor dem Aufbocken).
- Fahrzeug mit Wagenheber anheben – am vorgesehenen Punkt.
- Rad abnehmen und neues Rad montieren.
- Schrauben über Kreuz anziehen.
- Fahrzeug ablassen und Schrauben mit Drehmomentschlüssel festziehen.
- Reifendruck prüfen und einstellen.
- Nach 50 km Schrauben nachziehen.
Profiltiefe und Reifenalter
- Gesetzlich: mindestens 1,6 mm Profiltiefe.
- Sommerreifen: 3 mm empfohlen.
- Winterreifen: 4 mm empfohlen.
- Reifenalter: maximal 8 bis 10 Jahre.
- DOT-Nummer zeigt Produktionswoche/-jahr.
- Reifen vorzeitig tauschen bei Rissen, Beulen oder Alterungsspuren.
Reifendruck: Der unterschätzte Faktor
Der korrekte Reifendruck beeinflusst Sicherheit, Verbrauch und Reifenlebensdauer. Zu niedriger Druck erhöht den Verbrauch und den Verschleiß, zu hoher Druck reduziert die Haftung.
- Reifendruck monatlich prüfen – bei kalten Reifen.
- Werte stehen im Tankdeckel oder an der Fahrertür.
- Beladung berücksichtigen – bei voller Beladung höherer Druck.
- 0,3 bar zu wenig kostet ca. 3 bis 5 Prozent mehr Verbrauch.
- Reifendruck bei Temperaturschwankungen anpassen.
Einlagerung: Werkstatt oder zu Hause?
- Werkstatt: 30 bis 80 Euro pro Saison, klimatisiert, fachgerecht.
- Zuhause: günstiger, aber Lagerbedingungen müssen stimmen.
- Richtige Lagerung: kühl, trocken, dunkel, liegend oder hängend.
- Nicht auf Betonboden lagern – Feuchtigkeit schadet.
- Reifenstapel nicht zu hoch – verformt die Reifen.
Wann Sie Reifen wechseln sollten
- Profiltiefe unter 3 mm (Sommer) oder 4 mm (Winter).
- Alter über 8 Jahre.
- Sichtbare Schäden: Risse, Beulen, Schnitte.
- Unwucht: Vibrationen beim Fahren.
- Nach einem Reifenschaden mit Reparatur.
- Bei hoher Laufleistung: ca. alle 40.000 bis 60.000 km.
Fazit
Der Reifenwechsel ist einfach, günstig und sicherheitsrelevant. Wer die O-bis-O-Regel beachtet, regelmäßig den Druck prüft und auf Profiltiefe und Alter achtet, fährt sicher und spart langfristig Geld.
Beim Reifenwechsel lohnt sich ein Preisvergleich – besonders bei Einlagerung. Ganzjahresreifen sind eine Alternative für Wenigfahrer, aber nicht für alle Fahrprofile ideal.
