Laden ist die zentrale Alltagsfrage beim Elektroauto. Wer zu Hause laden kann, hat es leicht. Wer auf öffentliche Infrastruktur angewiesen ist, muss planen. Dieser Ratgeber zeigt alle Optionen mit ihren Kosten und Ladezeiten.

Die vier Ladearten

  • Schuko-Steckdose (2,3 kW): Notfalllösung. Langsam, nicht für Dauerbetrieb geeignet.
  • Wallbox (11 oder 22 kW): Standard zu Hause. Bequem, sicher, schnell.
  • AC-Ladesäule öffentlich (11 oder 22 kW): Für Parkplätze, Hotels, Arbeitgeber.
  • DC-Schnelllader (50 bis 350 kW): Für Langstrecke und unterwegs.

Zuhause laden: Die Wallbox

Die eigene Wallbox ist die komfortabelste und günstigste Lösung. Sie lädt mit 11 kW in etwa 5 bis 7 Stunden einen typischen 60-kWh-Akku vollständig – ideal für das nächtliche Laden.

  • Kosten Wallbox: 500 bis 1.500 Euro.
  • Installation durch Elektrofachkraft: 500 bis 1.500 Euro.
  • Bei älteren Hausinstallationen: zusätzlich 1.000 bis 2.000 Euro für neue Zähleranlage.
  • Förderungen regional unterschiedlich – KfW-Programm eingestellt.
  • Steuerlich absetzbar als Handwerkerleistung (20 Prozent, max. 1.200 Euro).

Worauf bei der Wallbox achten

  • Ladeleistung: 11 kW reicht für die meisten Fahrzeuge, 22 kW nur bei entsprechender Fahrzeugunterstützung.
  • Typ-2-Stecker: Standard in Europa.
  • Dynamische Lastregelung: passt die Ladeleistung an den Hausverbrauch an.
  • MID-Zähler: für korrekte Abrechnung im Firmenkontext.
  • Kompatibilität mit PV-Anlage und Smart Home.
PV-Tipp
Mit einer PV-Anlage und intelligenter Wallbox laden Sie tagsüber nahezu kostenlos. Bei 6 kW Solarleistung und 20 kWh Tagesertrag sind das ca. 100 bis 150 km Reichweite umsonst.

Öffentlich laden: AC-Säulen

AC-Ladesäulen mit 11 oder 22 kW finden sich auf öffentlichen Parkplätzen, in Parkhäusern, vor Hotels und an Arbeitsplätzen. Sie sind langsamer als DC-Lader, aber meist günstiger.

  • Ladeleistung: 11 oder 22 kW.
  • Ladedauer: 2 bis 6 Stunden für volle Ladung.
  • Kosten: 35 bis 55 Cent pro kWh, teils mit Startgebühr.
  • Abrechnung: Ladekarte, App oder Ad-hoc per QR-Code.
  • Parkgebühren kommen oft hinzu.

Schnellladen: DC und HPC

DC-Schnelllader und HPC-Lader sind für die Langstrecke entscheidend. Sie laden in 15 bis 60 Minuten auf 80 Prozent.

  • DC 50 kW: ältere Lader, 45 bis 60 Minuten für 80 Prozent.
  • DC 150 kW: moderne Lader, 20 bis 30 Minuten für 80 Prozent.
  • HPC 350 kW: Spitzenlader, 15 bis 20 Minuten für 80 Prozent.
  • Kosten: 45 bis 99 Cent pro kWh, stark abhängig von Anbieter und Tarif.
  • Ladeleistung sinkt ab 80 Prozent Akkustand deutlich – danach langsam laden.

Ladekarten und Roaming

In Deutschland gibt es über 200 Ladeanbieter. Reines Ad-hoc-Laden ist teuer. Ladekarten oder Apps der großen Anbieter sind günstiger, aber binden Sie oft an einen Tarif.

  • EnBW mobility+: größtes Netz, gute Abdeckung.
  • Ionity: HPC-Netz auf Autobahnen, oft teuer, aber schnell.
  • Aral pulse: wachsendes Netz mit guten Tarifen.
  • Tesla Supercharger: für Fremdmarken inzwischen teilweise offen.
  • ADAC e-Charge: Tarif für ADAC-Mitglieder, oft günstiger.
  • Roaming: viele Karten funktionieren bei anderen Anbietern, aber mit Aufschlag.
Praxis-Tipp
Prüfen Sie vor jeder Langstrecke die Ladeplanung mit Apps wie ABRP (A Better Route Planner), Chargeprice oder EnBW mobility+. So vermeiden Sie unnötige Ladestopps und teure Tarife.

Laden auf Reisen

  • Planen Sie Ladestopps alle 200 bis 300 km ein.
  • Rechnen Sie mit 20 bis 30 Minuten pro Stopp.
  • Laden Sie auf 80 Prozent, nicht auf 100 – Zeit ist wertvoller als die letzten 20 Prozent.
  • Ruhige Autobahnraststätten mit Lademöglichkeit bevorzugen.
  • Ladekarten mehrerer Anbieter mitnehmen – Redundanz ist wichtig.
  • Bei Urlaubsfahrten ins Ausland: Kompatibilität und Roaming prüfen.

Laden schonend gestalten

  • Im Alltag zwischen 20 und 80 Prozent laden.
  • Vollschnellladung nur vor Langstrecken.
  • Nach schneller Fahrt nicht direkt DC-laden – erst abkühlen lassen.
  • Bei Kälte: Akku vorkonditionieren (Funktion vieler Fahrzeuge).
  • Standzeiten bei sehr niedrigem oder sehr hohem Akkustand vermeiden.
  • Bei längerer Nichtnutzung: Akku bei 50 Prozent lagern.

Fazit

Elektroauto laden ist einfach, wenn Sie zu Hause eine Wallbox haben. Unterwegs erfordert es Planung – aber mit den richtigen Apps, Ladekarten und Routinen funktioniert es zuverlässig.

Die Kosten variieren stark: Zuhause ca. 6 Euro pro 100 km, unterwegs 10 bis 18 Euro. Wer viel zu Hause lädt, fährt deutlich günstiger als mit einem Verbrenner – trotz gestiegener Strompreise.